Wer kennt es nicht, dieses eine unscheinbare Blatt, das am Ende aus dem Eintopf gefischt wird? Für mich ist das Lorbeerblatt viel mehr als nur ein Mitläufer. Es ist der heimliche Star, der Gerichten e...

Wenn wir vom Lorbeerblatt sprechen, meinen wir in der Regel die getrockneten Blätter des Echten Lorbeers, botanisch Laurus nobilis. Dieser immergrüne Strauch oder Baum ist im gesamten Mittelmeerraum zu Hause und blickt auf eine lange, ruhmreiche Geschichte zurück. Schon in der Antike war Lorbeer ein Symbol für Sieg und Ehre – man denke nur an die Lorbeerkränze der römischen Kaiser. Doch seine wahre Stärke hat er für mich schon immer in der Küche bewiesen.
Das Geschmacksprofil eines Lorbeerblattes ist komplex und faszinierend. Es ist nicht dafür gemacht, direkt gekaut zu werden – probier das besser nicht, glaub mir, ich spreche aus Erfahrung. Stattdessen gibt es sein Aroma langsam an Flüssigkeiten ab. Der Geschmack ist würzig, herb und leicht bitter mit balsamischen Noten, die an Muskat, Nelke und sogar einen Hauch Eukalyptus erinnern. Es ist ein echtes Hintergrundgewürz, das andere Aromen nicht überdeckt, sondern sie verbindet und ihnen eine warme, runde Tiefe verleiht. Ein gutes Gericht mit Lorbeer schmeckt nicht nach Lorbeer, es schmeckt einfach... besser.
Auch wenn wir immer nur ein oder zwei Blätter verwenden, lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Die folgenden Werte beziehen sich auf 100 Gramm getrocknete Blätter – eine Menge, die man natürlich nie auf einmal isst. Sie zeigen aber, wie konzentriert die wertvollen Stoffe in diesem kleinen Blatt sind.
| Nährwert | pro 100g (getrocknet) |
|---|---|
| Energie | ca. 313 kcal |
| Ballaststoffe | ca. 26 g |
| Eisen | ca. 43 mg |
| Calcium | ca. 834 mg |
| Mangan | ca. 8.2 mg |
| Vitamin A | ca. 6185 IU |
Die eigentliche Magie des Lorbeerblatts liegt in seinen ätherischen Ölen, allen voran Cineol. Diesen Ölen werden in der traditionellen Pflanzenheilkunde verschiedene positive Eigenschaften zugeschrieben. Was bedeutet das für dich und deine Küche?
Für mich ist das Lorbeerblatt ein wunderbares Beispiel dafür, wie traditionelles Küchenwissen und gesundheitlicher Nutzen Hand in Hand gehen. Es macht deftige vegane Speisen nicht nur schmackhafter, sondern potenziell auch bekömmlicher.
In der veganen Küche ist das Lorbeerblatt ein wahrer Held im Verborgenen. Es verleiht Gerichten jene Art von herzhafter Tiefe, die man manchmal vermisst, wenn Fleisch oder Knochenbrühe als Basis wegfallen. Es ist ein natürlicher Geschmacksverstärker, der eine wunderbare Komplexität und ein Gefühl von „lang gekocht“ erzeugt.
Wo gehört es unbedingt hinein? Ganz klassisch natürlich in alle Arten von Suppen und Eintöpfen. Eine vegane Linsensuppe ohne Lorbeerblatt? Für mich undenkbar! Es harmoniert perfekt mit den erdigen Aromen von Hülsenfrüchten. Auch in einer einfachen Kartoffelsuppe oder einem deftigen Bohneneintopf macht es den entscheidenden Unterschied. Es verleiht eine Grundwürze, die das ganze Gericht zusammenhält.
Aber das ist längst nicht alles. Hier sind einige meiner liebsten Einsatzgebiete:
Lorbeer liebt Gesellschaft. Es versteht sich prächtig mit anderen kräftigen Kräutern und Gewürzen wie Thymian, Rosmarin, Petersilienstängeln, schwarzen Pfefferkörnern und Wacholderbeeren. Diese Kombination, oft als „Bouquet garni“ zusammengebunden, ist die klassische französische Basis für unzählige Schmorgerichte und Brühen.
Beim Einkauf von Lorbeerblättern gibt es ein paar Dinge, auf die du achten solltest. Greife am besten zu ganzen, unversehrten Blättern. Gebrochene oder krümelige Blätter haben bereits einen Großteil ihres Aromas verloren. Die Farbe sollte ein mattes Olivgrün sein, nicht bräunlich oder ausgeblichen. Das ist ein Zeichen für Frische und gute Trocknung.
Du findest sowohl frische als auch getrocknete Lorbeerblätter, wobei die getrocknete Variante weitaus verbreiteter und in der Regel auch intensiver im Geschmack ist. Frische Blätter sind milder und haben eine leicht blumigere Note. Wenn du das Glück hast, einen Lorbeerstrauch im Garten oder auf dem Balkon zu haben, kannst du sie natürlich frisch verwenden – sei dann aber etwas großzügiger mit der Menge.
Die richtige Lagerung ist das A und O, um das flüchtige Aroma zu bewahren. Ich bewahre meine Lorbeerblätter immer in einem fest verschließbaren, lichtundurchlässigen Gefäß auf – zum Beispiel in einer Metalldose oder einem dunklen Glas. Plastiktüten oder offene Gewürzstreuer sind der Tod für jedes Aroma. Lagere sie kühl und trocken, aber nicht im Kühlschrank. Ein Küchenschrank abseits des Herdes ist ideal. Richtig gelagert, halten sich getrocknete Lorbeerblätter etwa ein Jahr, bevor sie merklich an Geschmack verlieren.
Über die Jahre in der Profiküche habe ich ein paar Tricks gelernt, um das Maximum aus diesem unscheinbaren Blatt herauszuholen. Hier sind meine besten Tipps für dich: